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Blaues Bildschirmlicht wirkt als stiller Umweltfaktor auf die Haut. Was hinter Digital Aging steckt – und wie zeitgemäße Pflege darauf reagiert.

Makroaufnahme fein strukturierter Gesichtshaut mit Übergang von warmem Tageslicht zu kühlem HEV-Licht, das den Einfluss von Bildschirmstrahlung im Kontext von Digital Aging zeigt
04th Jan 2026

Digital Aging – unterschätzt und allgegenwärtig

Wir verbringen heute einen großen Teil unseres Lebens vor Bildschirmen – beruflich wie privat. Ob Arbeiten, Lesen, Nachrichten, Social Media oder Streaming: Bildschirmlicht begleitet uns fast durchgehend. Was dabei leicht übersehen wird: Auch unsere Haut reagiert auf diese Form von Licht. Und zwar deutlicher, als lange angenommen wurde. Die Beeinflussung der Haut durch digitales Licht wird als Digital Aging bezeichnet.

Was versteht man unter Digital Aging?

Digital Aging beschreibt eine Form der Hautalterung, die durch hochenergetisches sichtbares Licht (HEV) ausgelöst wird – ein Anteil des blauen Lichts im Wellenlängenbereich von etwa 400–500 nm, der von LED-Bildschirmen, Smartphones, Tablets und künstlichen Lichtquellen abgegeben wird.

HEV-Licht ist kein UV-Licht. Es wirkt jedoch tiefer in der Haut, erreicht die Dermis und kann dort oxidativen Stress auslösen. Die Auswirkungen sind nicht unmittelbar sichtbar, doch auf biologischer Ebene beginnt ein Alterungsprozess lange bevor erste Zeichen erkennbar werden.

Wichtig ist die Einordnung: Die Intensität von HEV-Licht aus Bildschirmen ist deutlich geringer als die von Sonnenlicht. Entscheidend ist jedoch die regelmäßige, kumulative Exposition im digitalen Alltag.

Wie wirkt HEV-Licht in der Haut?

Aktuelle dermatologische Forschung zeigt: HEV-Licht erhöht die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) – freie Radikale, die

  • Zellstrukturen schädigen
  • antioxidative Schutzmechanismen überlasten
  • Entzündungsprozesse fördern
  • Reparatursysteme verlangsamen

Besonders betroffen sind Fibroblasten, die für Kollagen- und Elastinbildung verantwortlich sind. Wird ihre Funktion durch oxidativen Stress gestört, verliert die Haut mit der Zeit an Spannkraft; feine Linien entstehen früher.

HEV-Licht beeinflusst darüber hinaus die Melaninaktivität: Studien zeigen, dass bestimmte Hauttypen auf blaues Licht mit vermehrter Pigmentbildung reagieren. Bei wiederholter Exposition kann dies zu unregelmäßiger Pigmentierung führen – ein Effekt, der sich über Jahre verstärkt.

Neuere Erkenntnisse deuten zudem auf epigenetische Veränderungen hin. HEV-Licht kann die Aktivität von Genen beeinflussen, die an Zellreparatur, Entzündungsregulation oder der Bildung von Strukturproteinen beteiligt sind. Diese Prozesse verlaufen unsichtbar, wirken jedoch langfristig tief in die Hautstruktur hinein.

Warum ist Digital Aging heute relevanter denn je?

Weil Bildschirmzeit zu einem konstanten Umweltfaktor geworden ist. Ein typischer Tag umfasst:

  • mehrere Stunden Arbeit am Bildschirm
  • Bildschirme während Pausen
  • Bildschirmnutzung am Abend
  • LED-Lichtquellen im Innenraum

Die durchschnittliche tägliche Screen Time hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt – und damit auch die kumulative Belastung durch HEV-Licht. Diese Belastung entsteht schleichend, ist aber dauerhaft. Selbst bei geringer Intensität summiert sich der oxidative Stress über Jahre.

Hinzu kommt der psychophysiologische Faktor:
Digitaler Stress – dauernde Erreichbarkeit, Informationsflut, unregelmäßige Schlafzeiten – kann die Cortisolproduktion erhöhen. Cortisol wiederum beeinflusst die Barrierefunktion und die Regenerationsfähigkeit der Haut.

Welche biologischen Prozesse stehen im Zentrum von Digital Aging?

Digital Aging wirkt primär über drei eng miteinander verknüpfte Mechanismen:

  1. Oxidativer Stress
    Freie Radikale (ROS) greifen Lipide, Proteine und DNA an. Die antioxidative Kapazität der Haut wird im digitalen Alltag zunehmend gefordert.
  2. Subtile Entzündungsreaktionen (Inflammaging)
    HEV-Licht begünstigt niedriggradige, chronische Entzündungsreaktionen, die die Stressantwort der Haut langfristig verändern.
  3. Beeinträchtigte Reparaturprozesse
    Verlangsamte Zellregeneration führt dazu, dass strukturelle Veränderungen früher einsetzen und sich weniger effizient ausgleichen lassen.

Zusammen erklären diese Prozesse, warum Digital Aging keine kurzfristige Irritation, sondern eine kumulative, tiefgreifende Form der Hautalterung darstellt.

Wie reagiert die moderne Hautpflege darauf?

Zeitgemäße Pflege gegen Digital Aging muss mehrere Ebenen verbinden:

  • Neutralisierung von oxidativem Stress
    durch stabile, hochwirksame Antioxidantien, die spezifisch gegen HEV-induzierte ROS wirken
  • Unterstützung der zellulären Reparaturprozesse
    um Regeneration und Strukturaufbau langfristig zu stabilisieren
  • Ausgleich Pigment-verändernder Prozesse
    insbesondere bei Hauttypen, die auf blaues Licht empfindlicher reagieren
  • Stärkung der Hautbarriere
    da eine widerstandsfähige Barriere Lichtstress besser abfedern kann

Entscheidend ist nicht ein einzelner Wirkstoff, sondern das Zusammenspiel dieser Funktionen. So entsteht echte Widerstandskraft im digitalen Alltag.

Was kann man im Alltag tun?

  • Bildschirmhelligkeit reduzieren – viele Geräte arbeiten standardmäßig heller, als nötig
  • Abstand zum Bildschirm erhöhen – kleine Änderung, großer Effekt
  • Lichtquellen im Raum optimieren – warmweiße Beleuchtung reduziert den HEV-Anteil
  • Pflege mit antioxidantischem Fokus verwenden
  • Regeneration unterstützen, besonders abends, wenn Reparaturprozesse natürlicherweise stärker sind

Diese Maßnahmen ersetzen keinen Lichtschutz, ergänzen ihn jedoch sinnvoll – denn unser Alltag umfasst inzwischen zwei Lichtquellen: UV im Außenraum und HEV im Innenraum.

Fazit:

Digital Aging ist kein Trendbegriff, sondern Ausdruck eines modernen Lebensstils. Bildschirmlicht ist heute ein konstanter Umweltfaktor, dessen Einfluss auf die Haut zunehmend erforscht wird. Zeitgemäße Hautpflege reagiert darauf mit Konzepten, die antioxidativen Schutz, zelluläre Reparatur und Barriere-Stabilität verbinden – für Haut, die dem digitalen Alltag langfristig standhält.

5 Fakten zu Digital Aging

  1. HEV-Licht dringt tiefer ein als UVB.
    Blaues Licht (High Energy Visible Light) erreicht die unteren Hautschichten – und kann dort oxidativen Stress und strukturelle Zellschäden auslösen
  2. Die Haut reagiert – auch ohne sichtbare Reize.
    HEV-Strahlung erzeugt keine Rötung wie UV-Strahlen, verursacht aber mikroskopisch nachweisbare Zellveränderungen und Entzündungsprozesse.
  3. Pigmentflecken durch Bildschirmlicht? Möglich.
    Studien zeigen, dass HEV-Licht bei bestimmten Hauttypen die Bildung von Melanin anregt – vor allem bei häufiger und langfristiger Bildschirmnutzung.
  4. Antioxidien wirken unterschiedlich.
    Nicht jeder Antioxidans schützt gleich wirksam vor HEV-bedingtem Stress. Entscheidend ist die Fähigkeit, relevante freie Radikale zu neutralisieren.
  5. Digital Aging ist eine stille Belastung.
    Die tägliche Die tägliche Bildschirmzeit ist heute höher als je zuvor – und wirkt über Jahre hinweg kumulativ auf die Haut ein.

Quelle:

Screens, Blue Light, and Epigenetics: Unveiling the Hidden Impact on Skin Aging, Oktober 2024
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11532803/